IVSH in Brüssel: Produktsicherheit, Marktüberwachung und faire Wettbewerbsbedingungen im Fokus

Produktsicherheit, wirksame Marktüberwachung und faire Wettbewerbsbedingungen standen im Mittelpunkt zahlreicher Gespräche, die der IVSH Anfang September in Brüssel führte. Im Rahmen der International Product Safety Week der Europäischen Kommission nutzte der Verband die Gelegenheit, zentrale Anliegen der mittelständischen Schneid- und Haushaltwarenindustrie direkt mit europäischen Entscheidungsträgern und Partnerorganisationen zu diskutieren. 

Die von der Europäischen Kommission ausgerichtete International Product Safety Week zählt zu den wichtigsten internationalen Austauschplattformen rund um Produktsicherheit und Marktüberwachung. Vertreter von Behörden, Politik, Wirtschaft und Verbraucherschutz aus aller Welt kommen hier zusammen, um aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen zu diskutieren. 

Für den IVSH bot die Veranstaltung die Möglichkeit, die Perspektive mittelständischer Hersteller und der Branche direkt in die politischen Debatten einzubringen. Im Austausch mit Vertretern europäischer Institutionen und des Bundeswirtschaftsministeriums standen insbesondere die laufenden Überlegungen zum European Product Act sowie die zukünftige Ausgestaltung der europäischen Marktüberwachung im Fokus.

Aus Sicht des IVSH wird Produktsicherheit nicht durch zusätzliche regulatorische Vorgaben erreicht. Entscheidend sind vielmehr eine wirksame Durchsetzung bestehender Regeln, eine konsequente Marktüberwachung und ein entschlossenes Vorgehen gegen unsichere Produkte, Produktfälschungen und Wettbewerbsverstöße aus Drittstaaten. Gerade Unternehmen, die in Europa produzieren und hohe Qualitäts-, Sicherheits- und Nachhaltigkeitsstandards erfüllen, benötigen faire Wettbewerbsbedingungen. Mehr dazu auch hier: Der Binnenmarkt braucht Ranger: Neues Editorial in der ZfPC - Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren

Neben den Gesprächen mit politischen Akteuren nutzte der Verband die Reise auch zur Pflege seines europäischen Netzwerks. So traf IVSH-GF Jan-Frederik Kremer im Brüsseler Büro von EUROFER mit Sara Franzone zusammen. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen europäischer Handels- und Industrieschutzinstrumente auf nachgelagerte Wertschöpfungsketten sowie die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller. Der IVSH brachte dabei die Perspektive der Konsumgüterindustrie ein und warb für eine stärkere Berücksichtigung der Situation mittelständischer Verarbeiter und Hersteller innerhalb der europäischen Industrie- und Handelspolitik. 

Weitere Gespräche führte der Verband mit Pierre Laffont vom europäischen Partnerverband FEC, hier ging es inbesondere um CBAM und die Priorisierung von Themen, sowie den offenen Brief der Branche an Kommissarin Roswall für eine wissenschafts- und evidenzbasierte REACH-Revision, die weiterhin dem bewährten Ansatz der Risikoorientierung folgt. 

In einem fachlich sehr fundierten Austausch mit der CEO des European Justice Forum (EJF), Agata Boutanos, ging es dann noch unter anderem um Produktsicherheit, Produkthaftung, Marktüberwachung, Wettbewerbsfähigkeit und die Frage, wie europäische Regulierung praxistauglich gestaltet werden kann, ohne KMU unnötig zu belasten. 

„Die Gespräche haben gezeigt, dass sichere Produkte, faire Wettbewerbsbedingungen und eine starke industrielle Basis in Europa keine Gegensätze sind. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Ziele mit praxistauglichen und verhältnismäßigen Regelungen zu erreichen. Genau dafür wird sich der IVSH auch weiterhin aktiv in die europäischen Debatten einbringen“, so Kremer.

Die Brüsseler Gespräche machten deutlich, dass viele Akteure ähnliche Ziele verfolgen: sichere Produkte, faire Wettbewerbsbedingungen und eine starke industrielle Basis in Europa. Gleichzeitig wurde aber auch sichtbar, wie groß die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung vieler Regelungen sind. Für den IVSH bleibt deshalb entscheidend, die Erfahrungen der Unternehmen frühzeitig in politische Diskussionen einzubringen – bevor aus gut gemeinten Vorhaben neue Belastungen für die betriebliche Praxis werden.