IVSH bringt Positionen zu Wettbewerbsfähigkeit, DPP und Bürokratieabbau in EU-Konsultation zur ESPR Anforderungen für Eisen und Stahl ein

Der IVSH hat sich an der Konsultation der Europäischen Kommission zum geplanten ESPR-Rechtsakt für Eisen- und Stahlprodukte beteiligt. Im Mittelpunkt des Vorhabens stehen Anforderungen an den CO₂-Fußabdruck, Kreislauffähigkeit, Rezyklatanteile und inbesondere den Digitalen Produktpass (DPP) entlang der Wertschöpfungskette.
Auch wenn Schneidwaren, Kochgeschirr und Haushaltswaren derzeit (noch) nicht direkt vom Anwendungsbereich erfasst werden, sieht der IVSH mögliche Auswirkungen auf nachgelagerte Industrien und Lieferketten. Der Verband hat die Konsultation daher genutzt, um die Perspektive von verarbeitenden Unternehmen und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einzubringen.
Im Zentrum der Stellungnahme steht die Forderung, Nachhaltigkeitsanforderungen von Anfang an mit Wettbewerbsfähigkeit und Vereinfachung zu verbinden. Der IVSH spricht sich für das Prinzip „collect once – report once – use many times“ aus. Nachhaltigkeitsdaten sollten einmal erhoben und anschließend entlang der Lieferkette wiederverwendet werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft den Digitalen Produktpass. Der IVSH sieht im DPP ausdrücklich eine Chance für mehr Transparenz, effizientere Informationsflüsse und weniger Bürokratie. Voraussetzung ist jedoch, dass der DPP nicht selbst zu zusätzlichen Dokumentationspflichten führt oder eine Vielzahl neuer Datenobjekte entlang der Wertschöpfungskette auslöst.
Der Verband warnt zudem vor einer zunehmenden Fragmentierung durch individuelle Kundenquestionnaires, Lieferantenportale und Nachhaltigkeitsabfragen. Unternehmen müssten heute häufig identische Informationen in unterschiedlichen Formaten bereitstellen. Aus Sicht des IVSH sollte der DPP künftig als zentrale und vertrauenswürdige Informationsquelle dienen und damit Mehrfachabfragen ersetzen.
Darüber hinaus setzt sich der Verband dafür ein, dass sektorspezifische Product-Carbon-Footprint-Methodiken und Leitfäden weiterhin anerkannt werden, sofern sie auf etablierten europäischen oder internationalen Normen basieren - ohne teure Validierungen. Dies ist aus Sicht des IVSH entscheidend für praktikable Klimabilanzierungen in komplexen Wertschöpfungsketten und für KMU.
Schließlich fordert der Verband, die kumulativen Auswirkungen verschiedener EU-Regulierungen stärker in den Blick zu nehmen. Neue Anforderungen aus ESPR, DPP, Verpackungsrecht und weiteren Nachhaltigkeitsvorgaben sollten möglichst interoperabel ausgestaltet werden und keine redundanten Nachweis- und Berichtspflichten erzeugen.
Mit seiner Stellungnahme wirbt der IVSH dafür, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam zu denken. Der Digitale Produktpass sollte zu einem Instrument der Vereinfachung werden – nicht zu einer zusätzlichen Belastung für Unternehmen.
Die gesamte Stellungnahme kann hier eingesehen werden.