IVSH beim Thementisch Metall: KMU-Perspektive und industrielle Praxis in die Circular-Economy-Debatte eingebracht

Beim Thementisch Metall des NRW Umwelt- und Wirtschaftsministerium hat der IVSH die Perspektive der mittelständisch geprägten Schneid- und Haushaltswarenindustrie in die Diskussion um Reparatur, zirkuläre Wertschöpfung, nationale Kreislaufstrategie, Circular Economy Act (CEA) und praktikable Regulierung eingebracht. Deutlich wurde dabei, wie wichtig ein offener Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik für tragfähige und vor allem praxisnahe Lösungen ist. Der Termin fand am 22. Juni 2026 von 10:00 bis 13:00 Uhr bei STAHLWILLE Eduard Wille GmbH in Wuppertal statt. 

Der IVSH war damit bei einem weiteren Treffen des Thementischs Metall vertreten. Das Format ist Teil des Runden Tischs Zirkuläre Wertschöpfung NRW und zielt darauf ab, praxisorientierte Lösungen und Strategien entlang der metallischen Wertschöpfung weiterzuentwickeln sowie Impulse für den weiteren politischen und fachlichen Prozess zu geben und zu setzen. 

Im Mittelpunkt des Treffens standen Fragen rund um Reparatur, Service und „Right to repair“. Es wurde insbesondere diskutiert, welche kundenorientierten Rückführungsprozesse, abwärtskompatiblen Ersatzteilstrategien und Designansätze eine langfristige Reparierbarkeit unterstützen können und wo in der Praxis weiterhin Herausforderungen bestehen. Ergänzend ging es um Reparaturanforderungen in der Ecodesign Directive, des CEA und um Ansätze für reparaturfreundliche Produkt-Service-Systeme. 

Aus Sicht des IVSH war besonders wertvoll, dass die Diskussion nicht bei abstrakten Zielbildern stehen blieb, sondern konkrete Fragen der Umsetzbarkeit in den Blick genommen wurden. Es wurden auch Spannungsfelder diskutiert, wie z.B. KMU-Tauglichkeit, mögliche Wechselwirkungen zwischen „Recht auf Reparatur“ und Produkthaftungs-Richtlinie, oder Wechselwirkungen mit anderen Verordnungen. Gerade an solchen Themen zeigt sich, dass regulatorische Anforderungen, technische Machbarkeit und wirtschaftliche Realität zusammengedacht werden müssen. 

„Unsere Industrie muss sich bei Qualität, Langlebigkeit und Werthaltigkeit nicht verstecken. Viele Produkte unserer Mitgliedsunternehmen stehen seit langem für genau die Eigenschaften, die in der Debatte um nachhaltige Produktpolitik zu Recht stärker in den Blick rücken. Daraus folgt aber auch: Anforderungen müssen verhältnismäßig sein und die Perspektiven von Mittelstand, industrieller Praxis und konkreter Umsetzbarkeit angemessen berücksichtigen.“ 

Vor diesem Hintergrund wurde im Austausch auch deutlich, dass Verhältnismäßigkeit untrennbar mit fairen Wettbewerbsbedingungen verbunden ist. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass es bei der Umsetzung nicht (wieder) zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt – etwa zwischen regulierten europäischen Unternehmen und kaum kontrollierten Plattformanbietern wie Temu & Co. - Vielmehr müssen die Anforderungen einheitlich gelten und konsequent für alle Marktteilnehmer durchgesetzt werden.

Für den IVSH ist es zentral, dass in diese Debatten die Perspektive von KMU und industrieller Praxis frühzeitig eingebracht wird. Bereits in einem früheren Verbandsstatement zum Thementisch Metall hatte der Verband hervorgehoben, dass die Industrie in einer intelligenten Kreislaufstrategie großes Potenzial sieht, zugleich aber wirtschaftliche Faktoren, Materialverfügbarkeit und konkrete Anwendungsanforderungen und inbesondere die Situation von KMU und unserer Industrie berücksichtigt werden müssen. Genau diese Verbindung aus Transformationsbereitschaft, Verhältnismäßigkeit und Praxisbezug bleibt aus Sicht des IVSH für den weiteren Prozess entscheidend. 

Der Thementisch Metall zeigt u.E., wie wichtig Formate sind, in denen Industrie, Wissenschaft und Politik offen und konstruktiv über tragfähige Lösungen - aber auch Herausforderungen -  sprechen können. Der IVSH wird diesen Austausch weiterhin aktiv begleiten und die Perspektiven seiner Mitgliedsunternehmen in den weiteren Prozess einbringen. Denn zirkuläre Wertschöpfung, Reparaturfähigkeit und nachhaltige Produktgestaltung können nur dann dauerhaft erfolgreich ausgestaltet werden, wenn politische Zielbilder und regulatorische Anforderungen eng mit der betrieblichen Realität verzahnt werden.