EU‑US‑Handelsabkommen: IVSH sieht wichtige Fortschritte, aber weiteren Handlungsbedarf

Solingen, 20. Mai 2026 – Der Industrieverband Schneid‑ und Haushaltwaren (IVSH) begrüßt die Einigung zwischen Europäischem Parlament und Mitgliedstaaten zur Umsetzung des EU‑US‑Handelsabkommens als wichtigen Schritt zur Stabilisierung der transatlantischen Handelsbeziehungen.
Positiv hervorzuheben ist insbesondere, dass das Abkommen erstmals eine direkte Verknüpfung zwischen EU‑Zollzugeständnissen und der US‑Zollpolitik vorsieht:
Sollten die Vereinigten Staaten ihre Section‑232‑Zölle auf Stahl, Aluminium und deren Derivate nicht bis Ende 2026 auf maximal 15 % senken, kann die EU ihre Handelspräferenzen teilweise oder vollständig aussetzen. Dieser Mechanismus stärkt die Handlungsfähigkeit der EU und schafft eine wichtige Grundlage für mehr Fairness im Handel - muss aber auch genutzt werden.
Gleichzeitig sieht der IVSH weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Insbesondere die Änderungen und Ausweitungen der US‑Section‑232‑Zölle sowie deren Anwendung auf weitere Produktgruppen haben die Belastung für die europäische Konsumgüterindustrie spürbar erhöht. Produkte wie Kochgeschirr und Schneidwaren sind davon unmittelbar betroffen.
IVSH‑Engagement und politische Einordnung
Der IVSH hat diese Entwicklung frühzeitig aufgegriffen und in den vergangenen Monaten gemeinsam mit seinen europäischen Partnerverbänden – insbesondere im Rahmen der FEC – intensiv adressiert.
Dazu zählen:
- gemeinsame Positionspapiere an die Europäische Kommission, den Rat und die Bundesregierung
- laufende Gespräche mit EU‑Institutionen, Mitgliedstaaten und Bundestag
- sowie zuletzt ein aktuelles politisches Schreiben an INTA‑Abgeordnete und nationale Regierungen im April 2026, in dem die konkreten Auswirkungen der erweiterten Section‑232‑Regelungen auf die Branche dargestellt wurden und die o.g. nun allgemeine Verbindung der 232-Zölle mit dem Schutzmechanismus angeregt and belegt wurde.
Im Fokus stand dabei insbesondere die zunehmende Belastung durch:
- die Ausweitung von Section 232 auf weitere Produktgruppen (u. a. Schneidwaren, insbesondere Messer),
- neue Berechnungsmethoden („full value“) mit steigender realer Zollbelastung,
- sowie strukturelle Nachteile für mittelständisch geprägte Konsumgüterindustrien.
Aus Sicht des IVSH bestehen trotz des erzielten Fortschritts weiterhin zentrale Herausforderungen:
- keine kurzfristige Entlastung für betroffene Produktgruppen
- keine Anpassung der 50 %-Stahl-/Aluminium‑Schwelle, die für Konsumgüterhersteller praxisfern ist
- fehlende Berücksichtigung der besonderen Situation von KMU und mittelständischer Wertschöpfungsketten
- weiterhin kein vollständiges Level Playing Field, insbesondere im Vergleich zu Drittstaaten wie dem Vereinigten Königreich